Ein orkiges Wochenende

Seit mehreren Jahren bin ich regelmäßig auf dem Schweinfurter Fantasy Festival als Spielleiter und Spieler anzutreffen. Dieses Jahr habe ich es endlich auf die zweite Veranstaltung in Schweinfurt geschafft – die Ork Con.
Als die jüngere der beiden Veranstaltungen ging es hier noch etwas ruhiger zu, gut beschäftigt war ich dennoch.

Nach der ersten Begrüßungsrunde mit den Schweinfurter Stammgästen ging es eigentlich direkt in die erste von mir geleitete Runde. Mit fünf Spielern voll besetzt, ging es in die Welt von Warhammer Fantasy. Nach der guten Erfahrung damit in Dreieich leitete ich mein Kurzabenteuer „Steine im Wald“, da es sich recht gut in circa vier Stunden spielen lässt und so für meinen Geschmack genau die richtige Länge auf einer Con hat.

Übrigens ist dies generell eine Entwicklung, die ich sehr schätze. Immer mehr Spielleiter_innen verlegen sich auf Cons darauf, vorgefertigte Charaktere vorzulegen, auf eine klassische Gruppenzusammenführung zu verzichten und dann einen sehr geradlinigen Plot in drei bis vier Stunden durchzuziehen. Man bekommt einen Einblick in die Regeln, das Setting und im Idealfall wird auch noch eine gute Geschichte erzählt. Und das schafft man dann auch mehrmals an einem Wochenende.

Aber zurück zur Warhammer.  Meine Spieler fanden sich recht flott in Hintergrund, Charaktere und Regeln ein. So konnten wir uns dann ohne Umschweife auf den Waldspaziergang begeben, der das Abenteuer ausmacht. Ich verzichte auf weitere Spoiler. Am Ende lächelte das Glück auf die Gruppe. Alle Charaktere waren noch am Leben und das Unheil abgewendet. Die Stimmung in der Runde war gut und es schien so, dass alle wohl Spaß hatten.

Nach ein wenig Leerlauf, den ich mit den typischen Geekgesprächen auf Con füllte, bot es sich an, eine Runde Karten zu spielen und so mal das Spiel Codenames  kennenzulernen. Die Spieler_innen werden in Team Blau und Team Rot aufgeteilt. Jedes Team ernennt dann eine_n Teamleiter_in. Es werden 25 Karten, auf denen jeweils ein Begriff zu lesen ist, als ein 5×5 Viereck ausgelegt. Die zusammen sitzenden Teamleiter_innen erhalten eine Karte, die ihnen zeigt, auf welchen Positionen Karten liegen, die zu ihrem jeweiligen Team gehören. Abwechselnd muss sich nun jede_r Teamleiter_in ein einziges Wort überlegen, mit dem er möglichst viele seiner oder ihrer Begriffe zusammenfasst, bzw. assoziierbar macht. Dieses Wort wird dann, zusammen mit der Anzahl an gemeinten Karten, dem Team genannt. Und dann beginnt der Spaß. Das Team diskutiert, überlegt und assoziiert, was das Zeug hält. Es wird dann immer auf eine einzelne Begriffskarte getippt. Gehört diese zum eigenen Team, wird sie in der entsprechenden Farbe abgedeckt und es darf erneut getippt werden. Hat man sich getäuscht und die Karte gehört zur Gegenseite, wird diese für das andere Team markiert und dieses ist am Zug. Hinter einem der Begriffe befindet sich jedoch auch noch ein Attentäter. Wird diese Karte getippt, verliert das Team automatisch, welches ihn gefunden hat.
Welche Seite zuerst eine bestimmte Anzahl der eigenen Begriffe richtig geraten hat, entscheidet die Runde für sich. Meist wird das ganze dann als best of three oder best of five gespielt.
Ich hatte unglaublich viel Spaß, sowohl als Teammitglied als auch als Teamleiter. Definitiv nichts für ruhige Abende, aber ein garantierter Partykracher.

Nach Codenames verschlug es mich dann in eine Uhrwerk-Supporter-Runde, in der ich endlich mal 13th Age  testen konnte.
Ich muss gestehen , dass mir bisher nur die Existenz des Titels, jedoch nicht sein Inhalt bekannt war. Ehrlich gesagt war ich dann etwas überrascht. Es ist ein d20 System. Stark modifiziert, aber dennoch in seiner Grundlage D&D.
Das Setting versucht sich von den typischen D&D Welten zu lösen, oder besser, eine spätere Version darzustellen. An die Stelle der alten Götter sind die so genannten Ikonen getreten. Diese sind mächtige Entitäten, von Göttern über mythische Herrscher bis hin zu einem Drachen, die auch in einer gewissen Beziehung zum eigenen Charakter stehen. Daraus wird eine Art Vor- und Nachteilsystem. Die Klassen und Völker sind die üblichen Verdächtigen. Was sich noch einmal sehr kräftig unterscheidet zum klassischen d20, ist das Skillsystem. Man hat eher breit definierte Gebiete, die Wissen oder Werdegang des Charakters darstellen. Bekommt man nun eine Aufgabe gestellt, darf man, so fern man schlüssig erklären kann weshalb, den Wert zu seinem Wurf addieren. Das ist dann auch eine der Parallelen zu Numenera. Eine weitere ist die Einteilung von Rüstungen und Waffen in bestimmte Klassen. Welche Waffe oder Rüstung es dann im Detail ist, ist der Phantasie überlassen.
Der restliche Regelmechanismus ist dann typisch d20.
Das Abenteuer das wir spielen durften, war eine fröhliche Verbrecherjagd, inklusive Geister, Gauner und Dämonen.
Spaß gemacht hat es auf jeden Fall, direkt zulegen werde ich mir 13th Age  jedoch nicht. Dafür fehlt es mir einfach an echten Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmalen. Es ist quasi ein D&D 3.5 light. Wer sich aber schon immer mal einen leichten Zugang zum d20 System gewünscht hat, kann hier locker zugreifen. Vor allem, da bereits das Grundbuch mit einem Monsterkapitel aufwartet, das sich sehen lassen kann. Das who is who der D&D Monster hat sich hier nämlich bereits versammelt.

Mit einer halben Stunde Verspätung startete dann um 23:30 die von mir geleitete Runde Numenera. Trotz der späten Stunde waren alle Plätze bis auf einen belegt. Nach der dem abgefahrenen Setting geschuldeten etwas längeren Einführung ging es dann auf in das Abenteuer. Auch hier habe ich wieder ein bereits erprobtes, von mir erdachtes Kurzabenteuer verwendet. Auch hier war die Stimmung gut, alle hatten ihren Spaß und haben tapfer durchgehalten. Gegen Ende hätte ich vielleicht in bestimmten Situationen das Tempo ein wenig anziehen sollen. Dennoch waren alle, glaube ich, ganz zufrieden, als wir kurz vor Vier dann zum Ende kamen.

Am Sonntagmorgen gab es dann etwas, was ich noch nie so auf einer Con erlebt habe. Ab 8:30 Uhr konnte man sich Rühreier mit Schinken oder Speck bestellen, die dann frisch zubereitet wurden. Respekt vor der Motivation und dem Aufwand, einen solch liebevollen Service bereit zu stellen. Generell hat sich die Orga ordentlich ins Zeug gelegt. Die Versorgung mit Brötchen, Kuchen und Bolognese (auch in vegetarisch) war stets sichergestellt und es gab quasi keine Wartezeiten. Also zumindest, wenn ich an der Theke ankam. Die Abläufe waren gut organisiert und man hat, egal zu welcher Uhrzeit, immer jemanden gefunden, der einem weiterhelfen konnte.

Nach vielen weiteren interessanten, geekigen Gesprächen kam mein letzter Programmpunkt.
Eine Runde Star Wars – Age Of Rebellion. Der Kniff an der Sache war jedoch, dass wir als Sturmtruppen der 501st Legion spielen durften. Das von unserem Spielleiter erdachte Szenario war dabei das größte Highlight für mich. Wir spielten Episode IV. Ich begleitete Lord Vader an Bord der Tantive IV, durchkämmte die Wüste von Tatooine und suchte nach Rebellen auf Dantooine. Die Filmzitate flogen nur so zwischen uns her und absolut niemand kam auf die Idee mit dem Hauptplot zu brechen. Eine wirklich harmonische Gruppe, die gut angeleitet wurde. Die Spieler, die bisher noch nicht mit den Star Wars Regeln von FFG vertraut waren, fanden sich auch in diesen schnell zurecht und zeigten sich sehr angetan.

Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass alle Besucher_innen viel Spaß hatten und für jeden etwas dabei war. Das Warmachine/Hordes Turnier war gut besucht. Ebenso die Turniere für Yu-Gi-Oh und Magic. Die Auswahl an Pen&Paper Runden war für die Anzahl an Besucher_innen ausreichend und vor allem nicht unbedingt der Standardkram, den man sonst immer sieht. Ich drücke der Ork Con auf jeden Fall die Daumen, dass sie sich weiter etablieren kann und sich so Stück für Stück ausbaut.
Ich bin auf jeden Fall gerne wieder dabei.

Als nächstest geht es für mich auf jeden Fall auf die Main Würfel Con. Eventuell vorher sogar noch zu den Heroldsberger Spieletagen.
Vielleicht spielen wir dort ja mal zusammen.
 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *