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Das Erwachen des Fanboys

Vorneweg: Ich bin kein Filmkritiker. Ich kann einen Film nicht in seinen handwerklichen Aspekten analysieren. Dafür verstehe ich zu wenig. Ich bin ein Zocker, ein Geschichtenerzähler und, vor allem in diesem Fall, ein Fanboy. Der folgende Text ist also keine echte Filmkritik. Er ist meine Meinung und in manchen Bereichen meine Erläuterung zu Star Wars VII. Ach ja, Spoiler könnten auch darin sein.

Am 17. Dezember war es also endlich soweit. Die Warterei hatte ein Ende. Star Wars VII war endlich im Kino zu sehen. Dank der intelligent gemachten Teaser / Trailer hatte zumindest ich für meinen Teil keine große Vorstellung davon, was genau geschehen wird. Freundlicherweise wurde mir jedoch auf der Stelle vermittelt, dass ich mich keineswegs auf unbekannten Terrain befinde. Denn nach dem klassischen Opening Crawl geschieht genau das, was ich von Episode IV – VI gewohnt bin. Es schiebt sich ein Sternenzerstörer in das Bild. Ein Gefühl der Vertrautheit bemächtigt sich meiner, wie es die neueren Filme eher selten vermocht haben.
Und es ist nicht das letzte Mal, dass es mir so geht. Episode VII versteht es, sich durch Reminiszenzen, Zitate und Parallelen in einen ganz klaren Bezug zur klassischen Trilogie zu setzen. Der Humor wirkt nicht mehr wie Slapstick, die Sprüche sind cooler, die Galaxie ist wieder dreckiger. Wie so oft habe ich das Gefühl, dass die Leute, die sich seit Episode VI dem Star Wars Universum angenommen haben, eben jenes besser verstehen als sein Schöpfer selbst.

Das bringt mich dann zu einem der größten Kritikpunkte den man zu hören bekommt. Der Plot. Denn auch dieser ist ein Zitat. Ja, keine Frage, das ist Episode IV reloaded.  Und wenn man genau hinsieht, erkennt man sogar Episode V und VI.
Na und?
Ich habe kein Problem damit. Auf der einen Seite wird einem damit unmissverständlich klar gemacht, dass die neue Trilogie, wie oben schon geschrieben, im Geist der Originale steht.
Auf der anderen Seite erklärt es uns auch Dinge zum Hintergrund. Alles, was die Erste Ordnung tut, steht in der Tradition des Galaktischen Imperiums, will dieses jedoch bei Weitem übertreffen.  Und das bekommen wir zu sehen. Natürlich baut auch die Erste Ordnung eine Superwaffe und wählt für den ersten Einsatz sogar ein taktisch sinnvolles Ziel. Hätten wir das nur in einem Opening Crawl lesen wollen? Ich denke nicht.
Episode VII dient weiterhin dazu die neuen Charaktere vorzustellen, sie in einen Kontext zu setzen. Hier wurde eine Brücke gebaut, die den alten Fans den Weg leicht machen soll in die Zukunft des Franchise. Und die neuen Fans erleben die klassischste Star Wars Geschichte überhaupt, eben im neuen Gewand.

Apropos neue Charaktere. Ich bin begeistert. (Überrascht das jetzt jemanden an dieser Stelle?) Mit Rey, Finn und Poe wurde ein Dreigestirn an Protagonist_innen entwickelt, mit dem sich großartige Geschichte erzählen lassen werden. Poe ist ein absolut würdiger Nachfolger für Han Solo. Finn als Held wider Willen ist eine großartige Wildcard und ich bin gespannt, was mit ihm noch passieren wird. Und dann gibt es Rey. Das Internet quillt über mit Theorien zu ihrer Herkunft, Kritik an dem was sie alles kann und allerlei anderem was, Leuten so zu ihr einfällt. Ich freue mich einfach einen facettenreichen, emanzipierten und unglaublich coolen Charakter präsentiert zu bekommen. Ich glaube, ich empfinde Rey jetzt bereits als einen spannenderen Charakter, als es Luke Skywalker je für mich war.
Generell begrüße ich die Entscheidung einen weiblichen Charakter zum neuen Mittelpunkt der Saga zu machen sehr. Was den restlichen Cast angeht, dürften jedoch gerne noch ein paar Frauen mehr etwas zu sagen haben.
Die Seite der Antagonist_innen kann man eigentlich auf einen einzigen Charakter eindampfen: Kylo Ren.
Denn General Hux dient bisher eigentlich nur dazu, auch dem letzten Menschen im Publikum klar zu machen, dass die Erste Ordnung die Bösen sind. Also so richtig. Damit erfüllt er seine Rolle als Großmoff Tarkin 2.0 zur Gänze.
Captain Phasma, auf die ich mich wirklich sehr gefreut habe, bekommt leider so gut wie keine Screentime. Hier hoffe ich sehr auf die die nächsten Teile.
Und dann gibt es noch Snoke. Hier bin ich noch sehr unentschlossen in meiner Meinung. Mal sehen, was wir noch so erfahren werden. Warum „das Internet“ mit aller Gewalt versucht hinter Snoke bereits bekannte Bösewichte zu erkennen, verstehe ich übrigens kein Stück. Er ist halt der oberste Anführer Snoke. Punkt.
Also, zurück zu Kylo Ren. Auch hier wurde Großes vollbracht. Endlich sehen wir wie sich der Kampf zwischen der beiden Seiten der Macht in einem Lebewesen darstellt. Kein plötzlicher, nicht so recht nachzuvollziehender Sprung, wie in Anakin Skywalker gleich zweimal vollzieht. Ich nehme Kylo seine Zerissenheit zwischen Licht und Dunkel ab, empfinde sogar so etwas wie Mitleid mit ihm. Ähnlich wie bei Rey umgeben ihn noch genügend Geheimnisse, die mich unbedingt mehr sehen lassen wollen.
Warum man übrigens in Gekicher und seltsame Kommentare verfallen muss, sobald er den Helm abnimmt, liegt außerhalb meines Erfahrungshorizonts.

Fazit:  Betrachtet man den Film ganz alleine für sich, bekommt man ein 135 Minuten langes, solides Sci-Fi Action-Märchen präsentiert. Begebe ich mich in meinen Fanboy Modus, möchte ich weinen vor Freude, dass die Star Wars Sage endlich so weitergeführt wird, wie sie es verdient hat. Ab jetzt wünsche ich mir auch neue Geschichten, mehr Hintergrund und mehr Lichtschwerter. Nachdem, was ich gesehen habe, mache ich mir da jedoch absolut keine Sorgen.
Nicht nur die Macht, das ganze Franchise ist (wieder) erwacht. Und das großartiger als jemals zuvor.